Regensburg: Die Salafisten-Szene in der Walderdorffstraße war lange Zeit bei der DITIB aktiv. Diese will jetzt eine große Moschee im Regensburger Norden errichten

Der Halbjahresbericht des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz vom August nennt neben vier anderen Moscheen in Bayern die Regensburger As-Siddiq-Moschee in der Walderdorffstraße als Plattform für salafistische Vortragsveranstaltungen und salafistischen Islamunterricht. Dort tritt der Leipziger Imam Hassan Dabbagh auf. Im Mai 2012 kam zur Verteilung von Koranen der Prediger Ibrahim Abou Nagie nach Regensburg, der Verantwortliche für die bundesweite Koran-Aktion des salafistischen Netzwerks „Die Wahre Religion“ (DWR), gegen die derzeit ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren läuft. Ein Foto im Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes zeigt ihn hier an einem Infostand. Entsprechende Aktionen gab es auch in Schwandorf und Weiden.

Doch die As-Siddiq-Moschee steht erst seit etwa einem Jahr im  Zentrum der Aktivitäten der Regensburger Salafisten. Zuvor nützte die Szene mindestens anderthalb Jahre lang regelmäßig die Räumlichkeiten der DITIB-Moschee in der Altstadt („Merkez-Moschee“, Lindnergasse).

Bereits im Dezember 2009 und Januar 2010 organisierten die Regensburger Anhänger des Predigers Pierre Vogel Vortragsveranstaltungen in der DITIB-Moschee mit einem Marokkaner aus Schwandorf, der  die Internetseite  „derweganslicht.de“ betrieb.

Salafisten Ditib Regensburg Januar 2010

Bekanntgabe der Termine in der DITIB-Moschee im Januar 2010 auf Spin.de

Am 9.1.2010 fuhren sie nach Frankfurt zur Demonstration mit Pierre Vogel vor der Nikolaikirche, von 5.2.2010 bis 7.2.2010 nahm eine größere Gruppe aus Regensburg und der Oberpfalz an einem Seminar mit Pierre Vogel in der Berliner Al-Nur-Moschee teil, die unter besonderer Beobachtung des Verfassungsschutzes steht. Kurz darauf wurde eine Jugendveranstaltung der DITIB in Nürnberg besucht.                                                                  Die Aktivisten drehten sogenannte Dawa-Videos (Werbung für den Islam), verteilten Flugblätter und verbreiteten ihre Botschaften über einen Blog bei Spin.de: „IslaminRegensburg“  (http://www.spin.de/hp/IslamInRegensburg/blog), über den sie viele Kontakte knüpfen konnten.                                                                                                   Dort bewarben sie auch ein Seminar von 2.4.10 bis 4.4.10 in der Nürnberger Moschee in der Hessestraße, die mit der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) des Ibrahim El-Zayat in Verbindung steht. Angekündigt waren dort mehrere Prediger, die zuvor auch in Berlin dabei waren.

Am 5. Mai 2010 berichtete das Wochenblatt erstmals über die Anhänger Pierre Vogels in Regensburg und ihre Teilnahme am Islam-Seminar in der Berliner Al-Nur-Moschee – unter der Überschrift „Rattenfänger werben junge Regensburger Moslems an“.                 Die Zeitung befragte dazu auch einen Angehörigen der Regensburger DITIB: Aykan Inan, mittlerweile stellvertretender Vorsitzender und Dialog-Beauftragter der DITIB in Südbayern. Dieser gab an, die Bewegung nicht zu kennen.                                                            Spätestens zu diesem Zeitpunkt muß die DITIB darüber im Bilde gewesen sein, was sich in ihren Räumlichkeiten abspielte.                                                                                                         Doch sie unterstützte die Salafisten-Szene weiterhin, indem sie ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Es ging schließlich so weit, daß diese wöchentlich am Sonntag zu Unterhaltungsrunden und Vorträgen über den Islam in die Regensburger DITIB-Moschee in der Lindnergasse einlud.                                                                                                              So Anfang 2011 über „http://www.spin.de/events/location-show?id=28995“ (Links nicht mehr abrufbar) :

„Kulturzentrum                                                                                                                            Tags: Allah · Islam · Muhammed · Religion

Lindergasse 5                                                                                                                                 93047 Regensburg                                                                                                                      Deutschland                                                                                                                                      Homepage

Eintritt
Kostenloser Eintritt“

„Die nächsten Veranstaltungen“

30.01.2011 15:00 Unterhaltungsrunde über Islam
30.01.2011 18:00 Vortrag für ISLAM-Neulinge
06.02.2011 15:00 Unterhaltungsrunde über Islam
06.02.2011 18:00 Vortrag für ISLAM-Neulinge
13.02.2011 15:00 Unterhaltungsrunde über Islam
13.02.2011 18:00 Vortrag für ISLAM-Neulinge
20.02.2011 15:00 Unterhaltungsrunde über Islam
20.02.2011 18:00 Vortrag für ISLAM-Neulinge
27.02.2011 15:00 Unterhaltungsrunde über Islam
27.02.2011 18:00 Vortrag für ISLAM-Neulinge

„Regelmäßige Veranstaltungen“

Jeden Sonntag ab 15:00 Unterhaltungsrunde über Islam
Jeden Sonntag ab 18:00 Vortrag für ISLAM-Neulinge

Eine wichtige Rolle in diesem Kreis spielten hierbei wohl der erwähnte Marokkaner aus Schwandorf und ein Türke aus Regensburg.

Am 28.06.2011 brachte das Regensburger Wochenblatt erneut einen Artikel über die Salafisten und machte dieses Mal einer breiten Öffentlichkeit bekannt, daß die Szene über ein Facebook-Profil zu ihren Treffen einlädt – und zwar in die DITIB-Moschee.

Erst jetzt, als die DITIB fürchten mußte, daß durch diese Zeitungspublikation in der Regensburger Öffentlichkeit ein negatives Bild von ihr entstehen könnte, zog sie offenbar Konsequenzen im Hinblick auf ihre Unterstützung der Salafisten-Szene.                             Seit diesem Zeitpunkt hat sich der Schwerpunkt der Aktivitäten dieser Gruppe in die arabische As-Siddiq-Moschee in der Walderdorff-Straße verlagert.

Eine Woche später, am 6.7.2011, erschien im Wochenblatt eine Erklärung der Regensburger DITIB, in der sie sich über die Berichterstattung beklagte. Sie verbat sich, als Treffpunkt für „externe Organisationen“ ausgewiesen zu werden und warnte vor unwahren Berichten aufgrund anonymer Internetmeldungen.                                            Ganz als ob die Verbindungen zu den Salafisten in Regensburg nur ein Konstrukt des Internets wären und diese Personen immer nur zu Treffen in die DITIB-Moschee eingeladen hätten, die tatsächlich aber nie zustande gekommen wären.

Ende des Jahres 2011 präsentierte die örtliche DITIB auf ihrer Facebook-Seite dann einen Architekten-Entwurf für den Bau einer eigenen Großmoschee in Regensburg.                    Erst am 07.05.2012 berichtete die Mittelbayerische Zeitung über dieses Vorhaben. Statt von einer „Moschee“ wurde dabei von einem „Gemeindezentrum“ bzw. „islamischen Kulturzentrum“ gesprochen. Die Stadt führt das Ganze unter der Bezeichnung „Mehrzweckhalle mit Gebetsräumen“.                                                                                             Zum Zeitpunkt des ersten Presseberichts hatte bereits der Gestaltungsbeirat über das Vorhaben an der Nordgaustraße beraten. Von den konkreten Pläne für ein Minarett und eine Kuppel ließ der MZ-Artikel nichts verlauten.                                                                   Den im Mai zur Beratung im Gestaltungsbeirat gelangten Entwurf veröffentlichte dann am 6.6.2012 das Wochenblatt. Diesen ließ die DITIB überarbeiten und legte ihn am 12. Juli erneut dem Gestaltungsbeirat der Stadt Regensburg vor.                                                        Zuvor, am 10. Juli, zeigte die Mittelbayerische Zeitung den überarbeiteten Entwurf. Gleichzeitig berichtete sie über Bauabsichten einer christlichen Adventisten-Gemeinde in Regensburg und stellte die Informationen und die Abbildung zu den Moscheebau-Plänen der DITIB unter die Überschrift „Adventisten planen Neubau in Regensburg“.

Entwurf Moschee Regensburg Juli 2012

Architektenentwurf für eine Moschee der Ditib in der Regensburger Nordgaustraße  Juli 2012

Von den Verbindungen der DITIB zur Regensburger Salafisten-Szene war nicht mehr die Rede.

Das Grundstück – an der Nordgaustraße in der Gemarkung Reinhausen nördlich vom Baumarkt „Max Bahr“ –  ist Eigentum der Waisenhausstiftung Stadtamhof, die vom Ausschuß für Soziales und allgemeine Stiftungsangelegenheiten des Regensburger Stadtrats, also einem Organ der Stadt Regensburg, verwaltet wird. Es steht seit 31.05.2012 öffentlich zum Kauf.

Grundstück Nordgaustraße

Bildmitte: Das Grundstück an der Nordgaustraße, Eigentum einer Stiftung, die vom Sozialausschuß des Stadtrats verwaltet wird

Neben der DITIB bemüht sich derzeit noch ein zweiter Verein um die Errichtung einer eigenen großen Moschee in Regensburg: Das „Islamisch-Arabische Kulturzentrum“:                                                                      https://donaufluss.wordpress.com/2012/08/25/regensburg-arabischer-verein-plant-moscheebau-fruherer-imam-als-top-gefahrder-eingestuft/  .

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